Forschung für die Komplementärmedizin auf hohem Niveau

Zwei Forschungsarbeiten erhalten den Holzschuh-Preis für Komlementärmedizin 2017 in Baden-Baden

Baden-Baden, den 29.Oktober 2017.

Seit vielen Jahren wird auch in der Komplementärmedizin intensiv und auf hohem Niveau geforscht. Das konnte auch die Jury des Holzschuh-Preises bei der diesjährigen Auswertung der eingereichten Arbeiten feststellen. Eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Studien wurde eingereicht. Die beiden besten Arbeiten zeigten sich so gleichwertig, dass sich die Jury zu einer Aufteilung des Preises entschloss.

Die Arbeit von Sadaghiani et al ist eine randomisierte placebokontrollierte Pilot-Studie mit hochrelevantem Ergebnis und guten Anwendungsmöglichkeiten in der Alltagspraxis. Die Arbeit von Schad et al setzt in der realen Versorgung an und wertete Versorgungsdaten eines integrativ-onkologischen Behandlungskonzepts aus. Hier konnten hohe Effektstärken der integrativen Behandlung beim Pankreaskarzinom nachgewiesen werden.

„Mit der Auszeichnung der beiden Arbeiten wird deutlich“, so Priv. Doz. Dr. Dominik Irnich,Vorstand der Hufelandgesellschaft, „dass komplementäre Therapieansätze methodisch sauber erforscht und die Ergebnisse in den Versorgungsalltag umgesetzt werden können.“ Zugleich wird anhand der Ergebnisse deutlich, dass die komplementären Verfahrendie Selbstregulation anregen können und dem Patienten die Möglichkeit geben, sich selbst aktiv in die Behandlung einzubringen.

Um herausragende Forschungsarbeiten bekannter zu machen und zu würdigen, wird jährlich der Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin von der Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung gestiftet und in Zusammenarbeit mit der Hufelandgesellschaft vergeben. Stiftungsvorstand Ragnar Watteroth unterstrich in seiner Begrüßung, dass die Qualität und das Spektrum der 9 eingereichten Arbeiten ein Höchstmaß an Qualität vorweisen und der Preis die Forschung auf dem Gebiet der Komplementärmedizien unterstützen soll.

Mehr zum Preis:
www.hufelandgesellschaft.de/holzschuhpreis

Originaltitel der eingereichten Arbeiten

Catharina Sadaghiani et al: "Wirksamkeit von Überwärmungsbädern bei Depression – Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Studie.

Friedemann Schad et al: Health services research of integrative oncology in palliative care of patients with advanced pancreatic cancer

Kontakt für Presseanfragen: Marion Laube

Tel.: 030-28099320
mobil: 015207416382

E-Mail: laube@hufelandgesellschaft.de
www.hufelandgesellschaft.de

 


Die ausgezeichneten Arbeiten

Überwarmungsbäder bei Depressionen - Pilotstudie mit randomisiertem placebokontrollierten Design

Depressionen gehören mit ca. 5 Millionen Betroffenen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland und sind ein Hauptgrund für Frühberentung. Die Kosten für medizinische Behandlung, Pflege, Rehabilitation und Prävention belaufen sich jährlich auf mehrerer Mrd. Euro. Vor diesem Hintergrund ist eine gut verträgliche und kostengünstige Behandlungsalternative bzw. Begleitbehandlung mit schnell eintretenden Effekten weiterhin wünschenswert und dringend geboten.

Überwärmungsbäder werden seit Jahrzehnten in der Naturheilkunde und Anthroposophischen Medizin mit guten Erfahrungen bei Depressionen eingesetzt werden. Sie können im Prinzip von Patienten zu Hause in der Badewanne durchgeführt werden oder wie in der vorliegenden Studie in einem beheizten Whirlpool in einem Thermalbad. Bislang fehlt allerdings der wissenschaftliche Nachweis durch kontrollierte, randomisierte Studien.

Die Preisträgerin Dr. Catharina Sadaghiani konnte nun erstmalig zeigen, dass 20-30 minütige Überwärmungsbäder bei 40°C bereits nach 4 Anwendungen eine klinisch bedeutsame Verbesserung der depressiven Symptomatik und der Schlafqualität bewirken. Im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie konnte eine signifikante Überlegenheit der Überwärmungsbäder gegenüber einer Scheinbehandlung nachgewiesen werden. Die Wirksamkeit trat bereits nach 2 Wochen bzw. 4 Anwendungen ein.

Positive Effekte in der integrativ-onkologischen Behandlung - Versorgungsforschung in der palliativen Onkologie

Viele Patienten im fortgeschrittenen Krebsstadium haben das Bedürfnis, die Lebensqualität in der verbleibenden Zeit zu erhöhen und selbst aktiv etwas dazu beizutragen. Dies spiegelt sich in der häufigen Anwendung integrativ-onkologischer Behandlungen, eine Kombination aus konventionellen und komplementären Therapien, wider. Die Chemotherapie wird deshalb häufig durch Misteltherapie sowie verschiedene nicht-pharmakologische Anwendungen wie Kunst- und Bewegungstherapie ergänzt.

Friedemann Schad und seine Arbeitsgruppe untersuchten in einer multizentrische Studie die Umsetzung solcher integrativ-onkologischer Behandlungen und den Zusammenhang zum Überleben der Patienten. Dazu werteten sie Versorgungsdaten für Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskrebs und integrativ onkologischen Behandlungen aus. Im Ergebnis konnten sie zeigen, dass Patienten, die zusätzlich zur Chemotherapie mit Mistelanwendungen behandelt wurden, im Mittel knapp 5 Monate länger lebten als Patienten, die nur Chemotherapie erhielten. Weitere Effekte integrativ-onkologischer Behandlungskonzepte müssten in zukünftigen Studien noch detaillierter untersucht werden. Und um die Wünsche des Patienten adäquat zu berücksichtigen, wird vorgeschlagen, dass onkologische Leitlinien zunehmend Daten zu patientenzentrierten, integrativ-onkologischen Behandlungsmöglichkeiten berücksichtigen sollten.

 

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Presseartikel

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