Komplexe Erkrankung erfordert ganzheitlichen Therapieansatz

Preiswürdige Studie zeigt: Multimodales integrativ-medizinisches Behandlungskonzept ist einem Ausdauertraining bei krebsbedingter Fatigue potentiell überlegen

Baden-Baden, 31. Oktober 2018

Heute wurde im Rahmen der Eröffnungsfeier der 52. Medizinischen Woche der Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin an die Arbeitsgruppe um Matthias Kröz für ihre Studie zur Behandlung brustkrebsbedingter Fatigue verliehen. Die von der Jury ausgewählte Arbeit zeigt, dass das von der Forschungsgruppe neu entwickelte multimodale Behandlungskonzept gegenüber der alleinigen Bewegungstherapie deutliche und nachhaltige Verbesserungen bewirkt.

Bleierne Müdigkeit, ständige Erschöpfung, selbst einfache Tätigkeiten wie Essen kochen oder Zähneputzen erscheinen schwer durchführbar oder ermüden unverhältnismäßig – diese Beschwerden kennen viele Krebspatientinnen. Mehr als die Hälfte aller an Brustkrebs erkrankten Frauen sind davon betroffen. Diese als Fatigue bezeichnete Erkrankung bestehen oft über Monate, bei einem Drittel der Patientinnen sogar Jahre nach der Therapie und schränken die Lebensqualität der betroffenen Frauen massiv ein. Für viele ist die Weiterführung der Berufstätigkeit nicht mehr möglich; in Deutschland ist die krebsbedingte chronische Fatigue eine der wichtigsten Ursachen der Frühverrentung von Krebsbetroffenen.

Die Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Kröz entwickelte zur Verbesserung der Beschwerden der krebsbedingten Fatigue ein multimodales, integrativ-medizinisches Behandlungskonzept auf Basis der Anthroposophischen Medizin. Das zehnwöchige Trainingsprogramm beinhaltet unter anderem Psychoedukation, Maltherapie und Eurythmietherapie, eine achtsamkeitsorientierte Bewegungstherapie der Anthroposophischen Medizin. Aufgrund neuer Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Fatigue wurde auch die Schlafedukation mit individuellen Empfehlungen in das Programm aufgenommen. Neben Informationen zu Chronobiologie und Schlaf gehören dazu das Führen eines Schlaftagebuchs sowie Übungen, um die Selbstregulation und das Selbstmanagement zu fördern. 

“Eine Erkrankung wie die krebsbedingte Fatigue mit einem so komplexen Ursache- und Beschwerdebild braucht eben auch eine komplexe multimodale Therapie”, fasst Dr. Matthias Kröz die Ergebnisse der Forschungsarbeit zusammen.

Im Rahmen einer umfangreichen dreiarmigen kontrollierten Studie an drei verschiedenen Krankenhäusern wurde das multimodale Behandlungskonzept mit der bisherigen Empfehlung, einer moderaten Bewegungstherapie verglichen. Allein angewendet, hatte diese in Metaanalysen nur geringe bis bestenfalls moderate Effekte. Durch die Studie konnte gezeigt werden, dass das neue Behandlungskonzept durch seine integrativ-medizinische Herangehensweise insbesondere die Schlafqualität deutlich verbessern kann; ein wesentlicher Faktor, der zur nachhaltigen Besserung der Beschwerden der Fatigue/Schlafqualität führte. 

Für die Jury begründeten mehrere Kriterien die Auswahl der Arbeit von Kröz et al. Neben der hohen klinischen Relevanz wurde das ausgewählte multimodale Studiendesign gelobt. Und die Studie zeigt deutlich, dass der multimodale und integrativ-medizinische Ansatz das Potential hat, eine neue Standardtherapie zu werden.

Um herausragende Forschungsarbeiten bekannter zu machen und zu würdigen, wird jährlich der mit 5000 Euro dotierte Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin von der Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Hufelandgesellschaft vergeben.

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Ragnar Watteroth und Bernd Künzler (Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung) sowie Marion Laube (Hufelandgesellschaft) gratulieren dem Preisträger Priv.-Doz. Dr. Matthias Kröz (Foto: Marco Schott)

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